top of page

West- und Seealpentour September 2026 

​​

​​​​​​​​​​​​​​​​​​​Insgesamt zehn Motorräder. acht V2. Rund 570 Kilometer. Deutschland, Schweiz und Frankreich. Dazu Schwarzwald, Berner Jura, Waadtländer Jura, der Chasseral und der Marchairuz – also genau die Art von Strecke, bei der man morgens noch sagt: „Ganz entspannt, wir fahren heute gemütlich.“ 😎

​​

Tag 1 - Anfahrt

Und spätestens nach der dritten Kurve weiß jeder: Das war eine Lüge.

🏍️ Die Tour

Der Morgen beginnt dort, wo eine Motorradtour eigentlich beginnen muss: mit zehn Motorrädern, zehn Fahrern und dem Geräusch von Motoren, die offensichtlich keinerlei Interesse an einem leisen Start haben.

Vor allem die italienischen V2 melden sich zu Wort. Erst ein Grollen, dann ein Bollern, schließlich diese unverwechselbare Klangkulisse, bei der man sich fragt, ob gerade zehn Motorräder gestartet sind – oder ein kleiner Vulkan beschlossen hat, nach Süddeutschland umzuziehen.

Vom Treffpunkt nahe Stuttgart geht es zunächst Richtung Schwarzwald. Die Strecke zieht über die Autobahn nach Süden, vorbei an Herrenberg und durch die Schwarzwaldregion, bevor bei Gottmadingen/Bietingen die Schweiz näher rückt. Der dort eingeplante Tankstopp an der AVIA in der Hirsackerstraße liegt tatsächlich direkt an unserer Route.

Um Kilometer zu machen geht es über die Schweizer Autobahn weiter Richtung Biel/Bienne. Biel liegt am Bielersee am Fuß des Jura und ist zugleich Zentrum der Schweizer Uhrenindustrie – für uns allerdings vor allem die perfekte Ausgangsbasis für das was kommt: der Jura.

Ab Frinvillier wird aus „Anfahrt“ endgültig Motorradtour.

Die Straße beginnt sich zu winden, die Landschaft wird offener, die Höhenmeter sammeln sich und plötzlich fährt jeder etwas aufrechter durch die nächste Kurve – nicht aus Vorsicht, sondern weil man beim Grinsen sonst nichts mehr sieht.

Der erste große Höhepunkt ist der Col du Chasseral auf 1.502 Metern. Der Pass verbindet die Region um Saint-Imier und Nods und gehört zu den markantesten Straßen des Schweizer Jura.​​

Hier oben verändert sich die Landschaft komplett. Waldpassagen wechseln mit offenen Juraweiden, und bei guter Sicht reicht der Blick weit über die Drei-Seen-Region bis zu den Alpen. Genau dafür kommt man hierher. Und natürlich für die Straße.

Was wir Motorradfahrer daran lieben?

Kurven. Viele Kurven. Und wenn gerade einmal keine Kurve da ist, kommt meistens gleich wieder eine.

Die V2 arbeiten sich durch den Jura, bollern aus den Kehren heraus und verwandeln die sonst eher stille Bergwelt in eine sehr spezielle italienisch-schweizerische Klangveranstaltung. Kühe schauen vermutlich interessiert. Die Fahrer schauen noch interessierter auf die nächste Kurve.

Weiter geht es über kleine Juraorte und Nebenstraßen Richtung Novalles, Juriens und La Praz. Novalles liegt idyllisch oberhalb des Arnon-Tals und bietet bei guter Sicht sogar Ausblicke Richtung Neuenburgersee und Alpen.

Hier zeigt sich die Stärke der Route: Sie besteht nicht nur aus spektakulären Passstraßen. Gerade die kleinen Verbindungen dazwischen machen den Reiz aus. Wald, offene Hochflächen, enge Straßen, lange Bögen und immer wieder diese kleinen Anstiege, bei denen man glaubt, jetzt müsse es doch irgendwann wieder bergab gehen.

Tut es auch.

Aber erst nach der nächsten Kurve.

⛰️ Col du Marchairuz

Dann wartet der zweite große Pass: Col du Marchairuz – rund  1.449 Meter.

Der Pass verbindet das Vallée de Joux mit der Südseite des Jura und führt durch eine Landschaft, die wie gemacht ist für Motorräder: Wald, offene Hochflächen und eine Straße, die sich über viele Kilometer durch die Höhenzüge zieht. Die offizielle Passhöhe wird mit 1.447 m angegeben; andere Quellen nennen 1.449 m.

Für zehn Motorradfahrer bedeutet das vor allem eines: noch mehr Kurven.

Nach dem Marchairuz geht es über die Höhenzüge weiter Richtung La Bassine und La Volletaz, bevor die Route sich wieder deutlich Richtung Genferseeregion senkt. La Bassine liegt auf einer Jura-Hochfläche und ist über kleine Straßen mit dem Marchairuz verbunden – genau diese Art Strecke, wegen der man den Jura nicht einfach nur durchqueren, sondern erleben möchte.

Die Höhenmeter werden weniger, die Landschaft öffnet sich, und irgendwann merkt auch der Fahrer, dass ein Motorrad nach über 500 Kilometern zwar „gerade erst richtig warm“ ist, der eigene Rücken diese Einschätzung aber nicht mehr ganz teilt.

Der letzte Abschnitt

Am Ende führt die Route aus dem Schweizer Jura Richtung Genfer Raum und schließlich nach Archamps in Frankreich.

Die letzten rund 30 Kilometer rund um Genf fahren wir über die schnelle Autobahn um schneller den Wechsel zwischen schweizerischer und französischer Seite – dann ist das Ziel erreicht: das ibis budget Archamps Porte de Genève, unmittelbar nahe der Schweizer Grenze und mit guter Lage für die ersten Pässe am nächsten Tag.

Und dann passiert das, was nach einer solchen Tour immer passiert:
Helme ab. Handschuhe aus. Motorräder abstellen. Kurz Ruhe.

Und spätestens nach fünf Minuten beginnt die völlig objektive Diskussion darüber, wer welche Kurve am saubersten gefahren ist.

Natürlich sind sich alle einig.

Jeder war hervorragend.

Und die anderen neun haben es nur noch nicht bemerkt. 😄

⭐ Die wichtigsten Highlights

Col du Chasseral – 1.502 m: höchster Passpunkt der aufgezeichneten Route und fahrerisch der große Höhepunkt des Berner Jura. Bei klarer Sicht spektakuläre Blicke über die Drei-Seen-Region und bis in die Alpen.

Col du Marchairuz – ca. 1.447 m: lange Jura-Passstraße zwischen Le Brassus und Bière/Südseite des Jura, mit vielen schönen Kurven und typischer Hochjura-Landschaft.

Jura-Nebenstraßen: Zwischen den großen Pässen liegt der eigentliche Schatz der Tour – kleine Straßen, Hochflächen, Wälder und ständig wechselnde Kurvenradien.

Tag 2 

Manchmal braucht es nicht viel für einen perfekten Motorradtag: zehn Freunde, zehn Motorräder, französische Alpen – und eine Route, bei der das Navi schon beim Anschauen leichte Bedenken bekommt.

Aufwachen, aus dem Fenster schauen – sind Sie noch alle da ???


Morgens stehen sie hoffentlich noch da wo wir Sie abends abgestellt haben.

Und ungefähr zehn verschiedene Meinungen darüber, wann man eigentlich losfahren sollte. 😎
 

Dann drehen sich die Zündschlüssel.

Es wird gebollert, gegrollt und gebrabbelt. Besonders die V2-Fraktion sorgt dafür, dass der Parkplatz akustisch schon einmal weiß, was heute auf ihn zukommt. Plötzlich klingt das Ganze weniger nach „kleiner Motorradausfahrt“ und mehr nach einem kontrollierten Treffen verschiedener mechanischer Charakterköpfe.
 

Und mittendrin zehn Fahrer, die natürlich alle völlig entspannt sind.
 

Zumindest behaupten sie das. 

Auf geht's Richtung Alpen


Die ersten Kilometer dienen traditionell dazu, herauszufinden, ob wirklich alle da sind, ob alle Motorräder funktionieren und ob die Navigation tatsächlich das meint, was sie gerade sagt.

Mit zehn Motorrädern ist das nämlich eine Wissenschaft für sich.

Einer fährt vorne.

Einer fährt hinten.

Dazwischen acht Menschen, die grundsätzlich wissen, wo es langgeht – solange niemand anfängt, Fragen zu stellen.


Die Route führt hinauf zum Col de la Croisette auf 1.175 Meter. Der Pass liegt am Mont Salève und verbindet Collonges-sous-Salève mit La Muraz. Erst vor kurzem sind das die Kollegen mit Ihren Fahrrädern bei der Tour de France hochgestrampelt.

Und genau hier beginnt das, was wir eigentlich wollten:

Kurven.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erst noch zum Einrollen. Dann werden sie enger. Die Motorräder wechseln sauber von einer Seite auf die andere, die Zweizylinder hängen satt am Gas und irgendwo beginnt der erste Fahrer vermutlich bereits damit, innerlich seine persönliche „Kurve des Tages“ zu küren.
 

Natürlich wird darüber später gesprochen.

Sehr ausführlich sogar

🌀 Colombière und Aravis – jetzt wird Motorrad gefahren

Mit dem Col de la Colombière auf 1.613 Metern kommt der nächste große Brocken.

Hier beginnt die Straße endgültig damit, sich wie eine schlecht gelaunte Nudel den Berg hinaufzuwinden.

Kehre.

Kurve.

Noch eine Kehre.


Und kaum hat man die eine sauber erwischt, steht die nächste schon vor der Verkleidung.

Die Zweizylinder geben beim Herausbeschleunigen ihre ganz eigene akustische Visitenkarte ab. Die V2-Motoren bollern aus den Kehren heraus, während die anderen Zweizylinder ebenfalls zeigen, dass zwei Töpfe völlig ausreichen können, um ordentlich Stimmung zu machen.

Kurz darauf wartet der Col des Aravis mit rund 1.486 Metern.

Spätestens hier ist klar:

Heute wird nicht Kilometer gemacht.

Heute wird Kurve gemacht.

Und wenn irgendwo eine Gerade auftaucht, dient sie offensichtlich nur dazu, kurz Luft zu holen, bevor die nächste Kurve kommt.
 

🏔️ Saisies – und die Sache mit der „kurzen Pause“

Der Col des Saisies auf 1.650 Metern führt hinein ins Beaufortain.

Die Landschaft wird weiter, die Berge werden größer und die Straße bleibt genau so kurvig, wie man es sich gewünscht hat.

Eigentlich könnte man hier einfach weiterfahren.

Eigentlich.

Denn zehn Motorradfahrer können an einem schönen Aussichtspunkt niemals einfach vorbeifahren.

„Nur kurz anhalten.“

Dieser Satz hat unter Motorradfahrern ungefähr dieselbe Bedeutung wie „Ich schaue nur mal kurz nach dem Preis“ beim Motorradzubehör.

Aus der kurzen Pause wird ein Foto.

Aus dem Foto wird ein zweites Foto.

Dann wird über die letzte Kurve gesprochen.

Dann über die vorletzte.

Und spätestens jetzt weiß jeder ganz genau, wie man die Kurve hätte fahren müssen.

Natürlich.

 

 

🏔️ Col du Pré – klein, fein und ordentlich kurvig

Dann wird es richtig interessant.

Der Col du Pré liegt auf 1.703 Metern und führt in Richtung Lac de Roselend.

Die Straße wird teilweise schmaler, die Steigungen kräftiger und die Kurven enger.

Für Motorradfahrer bedeutet das:

Weniger Straße. Mehr Konzentration. Noch mehr Spaß.

Die Landschaft öffnet sich und plötzlich ist der Alltag ganz weit weg.

Kein Büro.

Keine Termine.

Keine E-Mails.

Nur zehn Zweizylinder, eine kurvige Straße und zehn Fahrer, die gerade sehr überzeugend erklären könnten, warum Motorradfahren das beste Hobby der Welt ist.

💙 Lac de Roselend & Cormet de Roselend

Und dann öffnet sich die Landschaft endgültig.

Der Lac de Roselend liegt vor uns und die Route führt weiter zum Cormet de Roselend auf 1.968 Metern.

Das ist einer dieser Abschnitte, bei denen selbst der größte Sprücheklopfer für einen Moment ruhig wird.

Berge.

See.

Hochalpine Landschaft.

Kurven.

Und zehn Motorräder mittendrin.

Natürlich hält diese Ruhe nicht lange.

Irgendjemand muss schließlich feststellen, dass seine letzte Kurve besonders schön war.

Und damit ist die Diskussion wieder eröffnet.

 

🏍️ Der große Brocken: Col de la Madeleine

Nach weiteren Höhen und Tiefen kommt der Col de la Madeleine.

1.993 Meter.

Der höchste große Pass unserer Tour.

Der Anstieg zieht sich, die Straße arbeitet sich nach oben und die Zweizylinder bekommen reichlich Gelegenheit zu zeigen, was in ihnen steckt.

Hier wird nicht gegeneinander gefahren.

Hier wird gemeinsam Kilometer gemacht.

Und trotzdem hat nachher jeder seine eigene Erinnerung daran, wer an welcher Stelle besonders elegant unterwegs war.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen Erinnerung und Wunschdenken. 😂

Nach mehreren hundert Kilometern beginnt irgendwann auch der Körper vorsichtig anzufragen, ob das jetzt wirklich noch nötig sei.

Die Antwort eines Motorradfahrers lautet natürlich:​

🏍️ Und dann dachten wir: Jetzt kann eigentlich nichts mehr kommen …

Der Col de la Madeleine mit 1.993 Metern liegt hinter uns.

Eigentlich könnte man jetzt zufrieden sein. - Eigentlich.

Nach all den Kilometern, Höhenmetern und Kurven wäre ein gemütliches Ausrollen Richtung Valloire ja durchaus vernünftig gewesen.

Aber Vernunft war an diesem Tag ohnehin nicht Bestandteil der Tourplanung.

Denn bevor es endgültig Richtung Ziel geht, wartet noch ein kleines Stück Straße, das es fahrerisch noch einmal richtig wissen will:

Nach diesem Kurvenfeuerwerk geht es weiter Richtung Valloire.

Jetzt sind die Reifen warm.

Die Motoren sowieso.

Die Konzentration bekommt langsam Feierabend.

Und die Fahrer?

Die sind natürlich noch topfit.

Zumindest solange niemand verlangt, dass sie aus dem Motorrad steigen müssen. 😂

Denn beim Fahren fühlt sich jeder von uns noch wie 25 an.

Beim Absteigen sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.

Aber egal.

Wir haben es geschafft.

Col de la Madeleine.

Und schließlich Valloire.

Was will man mehr?

Vielleicht einen Kaffee.

Oder ein Bier.

Oder beides.

Aber vor allem eines:

Morgen wieder so eine Strecke. 🏍️❤️

 

😎 Der letzte Pass – Col du Télégraphe

Als wäre das alles noch nicht genug, wartet zum Schluss der Col du Télégraphe auf 1.566 Metern.

Die Straße steigt noch einmal kräftig an.

Der Motor arbeitet.

Die Konzentration wird dünner.

Der Rücken beginnt Verhandlungen.

Aber Valloire ist bereits in Reichweite.

Und zehn Zweizylinder haben schließlich einen Ruf zu verteidigen.

Oben angekommen ist es geschafft.

Valloire.

337,5 Kilometer.

Acht Pässe.

Unzählige Kurven.

Und zehn Fahrer, die selbstverständlich den Eindruck erwecken, als hätten sie gerade erst angefangen.

❤️ Genau dafür fahren wir Motorrad

Am Ende bleiben nicht die Kilometer.

Es bleiben die Geräusche beim Start.

Der erste Schlag des Motors am Morgen.

Das gemeinsame Einfädeln.

Der Blick auf die Berge.

Das Warten auf den Letzten.

Das Lachen an den Pausen.

 

Die Diskussionen über Linien, Reifen, Motorräder und natürlich darüber, wer die Kurve wirklich am saubersten erwischt hat.

Und dieses verdammt gute Gefühl, nach einem langen Tag mit Freunden irgendwo anzukommen und zu wissen:

Genau dafür sind wir losgefahren.

 

Zehn Freunde.

Zehn Motorräder.

Acht Pässe.

337 Kilometer.

Und jede Menge Spaß.

Vernunft hätten wir übrigens auch mitnehmen können.

Aber dafür war vermutlich kein Platz im Gepäck. 😂🏍️



 

20260907_134441.jpg
20260907_134525.jpg
20260907_134635.jpg
20260908_092822.jpg
20260908_123834.jpg
20260908_142719.jpg
20260908_162601.jpg
20260908_181034.jpg

Tag 3

​Manchmal beginnt eine Motorradtour ganz harmlos.

Zehn Motorräder stehen irgendwo im französischen Hochgebirge herum. Die Motoren werden gestartet, zehn Zweizylinder erwachen zum Leben – und innerhalb weniger Sekunden klingt der Parkplatz, als hätte jemand einen kleinen italienischen Vulkan geweckt.

Noch weiß niemand genau, wie viele Kurven heute auf uns warten.

Aber eines ist sicher: Es werden viele sein.

Und genau deshalb sind wir hier. 😎

🏔️ Valloire – und dann gleich ganz nach oben

Von Valloire geht es zunächst Richtung Col du Galibier.

Der Asphalt zieht sich langsam nach oben, die Landschaft wird karger, die Kehren enger und die Luft dünner. Die zehn Zweizylinder arbeiten sich durch die ersten Kurven, und spätestens hier beginnt dieses ganz besondere Motorradgefühl: Motor an, Helm zu, Blick nach vorne – und plötzlich interessiert sich niemand mehr für die Uhr.

 

Der Galibier wartet.

Mit 2.642 Metern ist er einer der ganz großen Pässe der französischen Alpen. Von Valloire führt die Nordauffahrt über rund 18 Kilometer und mehr als 1.200 Höhenmeter nach oben. Die letzten Kilometer werden zunehmend steiler und die Landschaft wirkt fast schon außerirdisch.

Und dann stehen wir oben bei NIeselregen und Nebel !

2.642 Meter.

 

Unter uns die Straße, die sich wie ein dünner Faden durch die Berge windet. Vor uns die Hochalpen – und hinter uns die Erkenntnis, dass man für diesen Ausblick eigentlich gar keine Worte braucht.

Natürlich werden trotzdem Fotos gemacht.

Sehr viele.

Schließlich muss später dokumentiert werden, wer tatsächlich oben war und wer nur behauptet, dort gewesen zu sein. 😂

⛰️ Galibier runter – Lautaret voraus

Die Abfahrt vom Galibier führt zum Col du Lautaret auf rund 2.057 Metern.

Nach dem hochalpinen Finale des Galibier öffnet sich die Landschaft wieder. Die Straße wird breiter, die Berge gewaltiger und die Motorräder dürfen endlich wieder etwas länger am Gas bleiben.

Zehn Zweizylinder bollern durch das Tal.

Das Geräusch verändert sich mit jeder Kurve.

Mal tiefes Grollen, mal Ansaugen, mal dieses herrliche dumpfe Blubbern beim Herausbeschleunigen.

Man könnte beinahe meinen, die Berge würden zurückantworten.

🌀 Izoard – jetzt wird es richtig schön

Nach Briançon geht es weiter zum Col d’Izoard.

Und spätestens hier dürfte jedem klar sein: Diese Tour hat nicht vor, vernünftig zu werden.

Der Izoard erreicht 2.362 Meter und verbindet Briançon mit dem Queyras. Besonders berühmt ist seine Südseite mit der spektakulären Casse Déserte, einer bizarren Felslandschaft, die fast wie eine Kulisse aus einem Western wirkt.

Für Motorradfahrer ist das genau die Sorte Straße, bei der man nach jeder Kurve denkt:

„Okay – die war jetzt aber richtig gut.“

Und dann kommt die nächste.

Und die nächste.

Und die nächste.

Irgendwann hat jeder seine persönliche Ideallinie gefunden.

Zumindest glaubt das jeder.

🏔️ Col de Vars – Kurven statt Kalorien

Weiter geht es Richtung Col de Vars.

2.109 Meter.

Die Strecke führt durch die Bergwelt rund um Vars und bietet genau das, was zehn Motorradfahrer eigentlich brauchen: Höhenmeter, Kurven und möglichst wenig Gründe, freiwillig anzuhalten.

Die offizielle Tourismusseite beschreibt die Nordseite als kurvenreich und geradezu prädestiniert dafür, die eigene Linie zu finden.

Wir finden unsere Linien ebenfalls.

Ob sie alle dieselbe sind?

Darüber lässt sich später bei einem Kaffee hervorragend diskutieren.

Und zwar mindestens 20 Minuten.

Über eine Kurve, die ungefähr acht Sekunden gedauert hat.

Motorradfahrer eben. 😎

☀️ Col d’Allos – die Alpen werden plötzlich anders

Nach dem nächsten Talwechsel folgt der Col d’Allos.

Mit rund 2.247 Metern verbindet er die Ubaye mit dem Haut-Verdon. Die Landschaft verändert sich spürbar: Die ganz großen Hochalpen bleiben zurück, dafür öffnet sich die Bergwelt immer stärker in Richtung Provence und Mercantour.

Die Straße windet sich durch Almen und Berghänge.

Die Motorräder arbeiten sich Kehre für Kehre nach oben.

Und irgendwo zwischen zwei Kurven dürfte bei dem einen oder anderen Fahrer bereits der Gedanke aufgekommen sein:

„Eigentlich könnte man hier einfach den ganzen Tag im Kreis fahren.“

Das Problem:

Wir haben noch ungefähr 160 Kilometer vor uns.

 

🏔️ Col des Champs – der letzte große Hochkaräter

Aber die Tour ist noch lange nicht fertig.

Nach dem Allos wartet mit dem Col des Champs noch einmal ein Pass mit rund 2.095 Metern.

Und dieser Abschnitt fühlt sich bereits ganz anders an.

Die Straßen werden schmaler, die Landschaft ursprünglicher, die großen touristischen Verkehrsströme verschwinden.

Nur wir, zehn Motorräder und eine Straße, die sich durch die Berge nach Süden schlängelt.

Hier ist das Fahren weniger „Pass abhaken“ und mehr Motorradwandern mit Motor.

Einfach fahren.

Schauen.

Kurve.

Beschleunigen.

Nächste Kurve.

Und wieder von vorne.

🔴 Und dann kommt das Colorado von Nizza

Wer jetzt glaubt, die großen Highlights seien vorbei, kennt diese Strecke nicht.

Denn danach geht es in Richtung Gorges de Daluis.

Und plötzlich wird die Landschaft spektakulär.

Die roten Felsen der Schlucht leuchten in der Sonne, während die Straße teilweise direkt durch die engen Felswände führt. Die Gorges de Daluis werden offiziell als „Colorado niçois“ bezeichnet. Die Schlucht ist durch die roten Perm-Pelite geprägt und erreicht stellenweise bis zu 300 Meter hohe Felswände.

Dazu kommen zahlreiche Tunnel und spektakuläre Passagen entlang der Schlucht.

Für eine Gruppe von zehn Motorrädern ist das ziemlich genau die Definition von:

„Warum ist die Tour eigentlich schon fast vorbei?“

Man möchte ständig anhalten.

Fotos machen.

Weiterfahren.

Wieder anhalten.

Noch ein Foto.

Und irgendwann sagt garantiert jemand:

„Wir müssen weiter, sonst kommen wir nie an.“

Natürlich hat er recht.

Aber keiner hört wirklich darauf. 😂

🌴 Vom Hochgebirge Richtung Mittelmeer

Je weiter wir nach Süden kommen, desto stärker verändert sich die Landschaft.

Aus der kargen Hochgebirgswelt wird eine mediterranere Umgebung. Die Temperaturen steigen, die Vegetation verändert sich und die Berge werden sanfter.

Nach rund 330 Kilometern endet der aufgezeichnete Track schließlich bei Levens, hoch über dem Hinterland von Nizza.

Das Mittelmeer ist damit noch nicht direkt unter den Reifen – aber wir sind ihm schon verdammt nahe.

Und eigentlich ist das auch ganz passend.

Denn nach sechs großen Pässen, fast 15.000 aufgezeichneten Höhenmetern und 330 Kilometern hat niemand mehr das Bedürfnis, noch schnell 20 Kilometer bis zum Strand dranzuhängen.

Jetzt heißt es erst einmal:

Helm ab.

Handschuhe aus.

Motor aus.

Und wahrscheinlich kommt irgendwann der Satz:

„Also ich fand die Tour gar nicht so anstrengend.“

Klar.

Das Motorrad war schließlich erst warm. 😉

❤️ Das war Motorradfahren

Was diese Tour so besonders macht, sind am Ende nicht die Zahlen.

Nicht die 330 Kilometer.

Nicht die 2.642 Meter am Galibier.

Nicht die sechs großen Pässe.

Es sind diese Momente, in denen zehn Motorräder hintereinander durch eine Kurve verschwinden.

Tag 4

🏍️ Tag 4: Vom Mittelmeer in die Hochalpen 

🌊 Morgens noch mediterran – abends wieder Hochgebirge

Es gibt Motorradtage, da weiß man schon nach den ersten Kilometern:

Das wird heute nichts mit „wir fahren ein bisschen gemütlich“.

Der vierte Tag beginnt dort, wo die Alpen langsam ins Mittelmeer übergehen. Rund um Levens, nördlich von Nizza, stehen zehn Motorräder bereit.

Und ungefähr genauso viele unterschiedliche Vorstellungen davon, was „heute machen wir es ruhig“ eigentlich bedeutet. 😎

Die Temperaturen sind noch mediterran, die Landschaft grün und die Straßen führen durch das französische Hinterland.

Doch jeder weiß:

Heute geht es wieder hoch. Richtig hoch.

🌴 Erst einmal raus aus dem mediterranen Dunst

Die ersten Kilometer führen durch das bergige Hinterland von Nizza.

Kurven statt Küstenstraße.

Schmale Straßen statt Promenade.

Und langsam verändert sich die Landschaft.

Die Häuser werden weniger, die Berge höher und die Straße beginnt wieder dieses typische alpine Eigenleben zu entwickeln.

Eine Kurve.

Noch eine.

Dann eine Kehre.

Und plötzlich ist man wieder vollständig im Motorradmodus.

Die zehn Zweizylinder haben inzwischen ihre Betriebstemperatur erreicht und lassen keinen Zweifel daran, dass sie mit dem französischen Kurvenprogramm durchaus einverstanden sind.

Das gemeinsame Grollen zieht durch die Täler.

Man könnte fast meinen, die Berge hätten beschlossen, heute selbst Motorrad zu fahren.

 

🌀 Col de la Couillole – der erste große Prüfstein

Einer der großen Höhepunkte des Tages ist der Col de la Couillole mit 1.678 Metern.

Der Pass verbindet das Cians-Tal mit dem Tinée-Tal und gehört zur Route des Grandes Alpes. Die östliche Auffahrt von Saint-Sauveur-sur-Tinée ist rund 16 Kilometer lang und überwindet mehr als 1.100 Höhenmeter.

Und diese Auffahrt hat es durchaus in sich.

Die Straße hängt sich in den Berg, verschwindet zwischen Wald und Fels und taucht kurz darauf wieder in einer neuen Kehre auf.

Für Motorradfahrer ist das genau die richtige Medizin.

Gas an. Bremsen. Einlenken. Rausbeschleunigen.

Und wieder von vorne.

Die Straße wird dabei zunehmend schmaler und die Landschaft wilder. Felswände, kleine Tunnel, steile Hänge und immer wieder Ausblicke in die Täler.

Die offizielle Beschreibung der Route spricht von steilen Felswänden, Tunneln und hoch gelegenen Dörfern – und genau das macht diesen Abschnitt so reizvoll.

Oben angekommen steht die übliche Frage im Raum:

„War das jetzt schon der letzte Pass?“

Die Antwort lautet natürlich:

Nein.

Wir kennen unsere Touren inzwischen gut genug.

🏔️ Die französischen Alpen werden ernst

Nach dem Couillole verändert sich die Landschaft erneut.

Wir verlassen zunehmend das unmittelbare Hinterland der Côte d’Azur und bewegen uns hinein in die eigentliche Hochgebirgswelt.

Die Straße führt durch Täler, vorbei an kleinen Bergdörfern und immer weiter nach Norden.

Und mit jedem Kilometer wächst die Höhe.

Das Interessante an dieser Strecke ist genau dieser Übergang:

Morgens noch mediterrane Vegetation und milde Temperaturen.

Ein paar Stunden später stehen wir in einer Landschaft, in der man schon wieder ernsthaft über Handschuhe und zusätzliche Kleidung nachdenken könnte.

Frankreich kann das erstaunlich schnell.

​⛰️ Und dann kommt die Cayolle

Wenn man glaubt, nach dem Couillole sei der größte Teil geschafft, wartet der nächste Höhepunkt.

Der Col de la Cayolle.

Und der macht seinem Ruf alle Ehre.

Die Passhöhe liegt auf 2.326 Metern und verbindet das Ubaye-Tal mit dem Tal des Var. Die Straße führt durch den Nationalpark Mercantour, vorbei an Schluchten, Wasserfällen, Bergwiesen und alpinen Landschaften.

Hier wird aus einer schönen Motorradtour endgültig eine richtige Hochalpenetappe.

Die Straße steigt.

Und steigt.

Und steigt.

Die Vegetation wird immer spärlicher.

Die Berge werden größer.

Die Kehren enger.

Und irgendwann steht man in einer Landschaft, in der man sich fragt, warum man eigentlich nicht schon viel früher hierher gefahren ist.

Der Asphalt zieht sich in langen Linien und engen Bögen den Berg hinauf.

Die Motorräder arbeiten.

Die Fahrer arbeiten.

Und irgendwo zwischen zwei Kehren arbeitet auch der Rücken langsam an einer Beschwerde.

Aber niemand hört hin.

Wir sind schließlich Motorradfahrer.

Und Motorradfahrer kennen keine Schmerzen.

Nur:

„Ein bisschen unbequem.“

😂

🏍️ 2.327 Meter – und plötzlich wird es still

Der höchste Punkt des gesamten Tages liegt laut GPS bei 2.327 Metern.

Damit liegt der aufgezeichnete Track praktisch genau auf der Höhe des Col de la Cayolle.

Und dort oben passiert etwas Merkwürdiges.

Die zehn Motorräder stehen plötzlich nebeneinander.

Die Motoren gehen aus.

Und für einen Moment ist es erstaunlich ruhig.

Kein V2-Grollen.

Kein Navi-Gerede.

Kein:

„Wo müssen wir jetzt eigentlich lang?“

Nur Wind, Berge und diese unglaubliche Weite.

Genau solche Augenblicke bleiben hängen.

Nicht unbedingt die Kilometerzahl.

Nicht die Durchschnittsgeschwindigkeit.

Sondern dieser eine Moment, in dem man mit dem Helm in der Hand dasteht und denkt:

Verdammt – dafür fahren wir Motorrad.

🏞️ Vom Hochgebirge hinunter ins Ubaye-Tal

Danach geht es wieder abwärts.

Und eine Passabfahrt ist für Motorradfahrer bekanntlich eine ganz besondere Angelegenheit.

Die Straße windet sich talwärts, die Landschaft verändert sich wieder und die Temperaturen steigen langsam.

Nach den hochalpinen Passagen wirkt das Tal plötzlich fast schon sommerlich.

Die Motorräder bekommen wieder etwas mehr Auslauf.

Und zehn Zweizylinder erzeugen erneut diese ganz eigene Klangkulisse.

Im engen Tal klingt ein V2 eben nicht einfach wie ein Motor.

Er klingt wie eine Ansage.

Oder wie zehn kleine italienische Gewitterfronten.

Je nachdem, wen man fragt. 🇮🇹😎

🏁 Jausiers – angekommen!

Nach rund 228 Kilometern laut GPS endet die aufgezeichnete Strecke schließlich bei Jausiers im Ubaye-Tal.

Jausiers liegt auf rund 1.200 Metern Höhe und ist einer der klassischen Ausgangspunkte für den Col de la Bonette.

Und spätestens hier wird klar:

Morgen könnte interessant werden.

Denn wenn man schon einmal in Jausiers steht, liegt eine der spektakulärsten Straßen der französischen Alpen praktisch vor der Haustür.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute heißt es erst einmal:

Motor aus.

Helm ab.

Stiefel aus.

Und irgendwo findet sich bestimmt noch ein Kaffee.

Denn natürlich ist niemand müde.

Das Motorrad war ja gerade erst warm. 😉

❤️ Ein Tag, der die Alpen in Zeitraffer zeigt

Was diesen vierten Tag so besonders macht, ist der unglaubliche Wechsel der Landschaft.

Morgens:

🌴 mediterranes Frankreich.

Dann:

🌲 Wälder und enge Täler.

Später:

🏔️ alpine Bergwelt.

Und schließlich:

❄️ über 2.300 Meter Hochgebirge.

Das alles auf einer einzigen Motorradtour.

Und mittendrin zehn Zweizylinder, die sich von Kurve zu Kurve nach Norden arbeiten.

Es sind diese Tage, an denen man abends auf dem Motorrad sitzt und denkt:

„Eigentlich war heute alles dabei.“

Kurven.

Berge.

Pässe.

Landschaft.

Lange Abfahrten.

Kleine Straßen.

Große Ausblicke.

Und natürlich die üblichen Diskussionen darüber, wer welche Kurve am schönsten erwischt hat.

Die Antwort darauf kennen wir bereits:

Alle.

Jeder natürlich auf seine Weise. 😂

📌 Die Highlights des Tages

🥇 Col de la Cayolle – 2.326 m

Der höchste Punkt der Etappe und der alpine Höhepunkt des Tages. Spektakuläre Landschaft im Mercantor-Nationalpark, Bergwiesen, Schluchten und eine Straße, die sich immer weiter nach oben schraubt.

🥈 Col de la Couillole – 1.678 m

Kurvenreiche Verbindung zwischen Cians- und Tinée-Tal, mit zahlreichen Kehren, Felswänden und einer beeindruckenden Abfahrt Richtung Saint-Sauveur-sur-Tinée.

🥉 Die Fahrt vom Mittelmeer ins Hochgebirge

Kaum eine Landschaft verändert sich auf so kurzer Strecke so dramatisch: vom mediterranen Hinterland Nizzas bis auf über 2.300 Meter.

🏍️ Die zehn Motorräder

Eine eigene Klangkulisse – besonders dann, wenn die Straße durch enge Täler führt.

🏞️ Das Finale im Ubaye-Tal

Nach der Cayolle-Abfahrt öffnet sich die Landschaft wieder und die Etappe endet in Jausiers auf rund 1.200 Metern.​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​

20260909_085422.jpg
20260909_085342.jpg
20260909_102010.jpg
20260909_135919.jpg
20260909_140548.jpg
20260909_161816.jpg
20260909_161825.jpg
20260910_095355.jpg
20260910_144339.jpg
20260910_144834.jpg
20260910_183210.jpg
20260911_163825.jpg

Tag 5 - für mich der schönste !!!

Jausiers – Susa

Der Plan für heute war eigentlich ganz einfach.

Von Jausiers nach Susa.

Klingt überschaubar.

330 Kilometer laut Tourplanung.

Ein paar Pässe.

Italien.

Abends Susa.

Fertig.

Zumindest auf dem Papier.

Denn irgendwo zwischen Jausiers und Susa hat offenbar jemand beschlossen, dass „ein paar Pässe“ eine sehr dehnbare Formulierung ist.

Und so stehen morgens zehn Motorräder vor der Unterkunft.

Zehn Fahrer.

Und eine Route, die schon beim ersten Blick auf die Karte verdächtig nach „Das wird heute länger“ aussieht.

Der erste Pass wartet bereits.

Und der heißt nicht einfach irgendein Pass.

Er heißt:

Bonette.

🏔️ Cime de la Bonette – gleich mal 2.805 Meter

Von Jausiers geht es direkt nach oben.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig zum Eingewöhnen.

Sondern ziemlich kompromisslos.

Die Straße zieht sich in langen Kehren durch die Landschaft, die Häuser verschwinden, die Vegetation wird spärlicher und mit jedem Höhenmeter wird klarer:

Heute wird es ernst.

Die Auffahrt zur Bonette von Jausiers ist rund 24 Kilometer lang und überwindet mehr als 1.500 Höhenmeter. Ganz oben wartet die Cime de la Bonette auf 2.802 Meter.

Der GPS-Track unserer Tour zeichnet sogar 2.805 Meter auf.

Damit ist gleich am Morgen geklärt, wer heute die Höhenarbeit übernimmt.

Die Motorräder.

Und die Fahrer dürfen nur zugucken. 😂

Die letzten Kilometer zur Passhöhe sind genau das, was man sich unter einer großen französischen Hochalpenstraße vorstellt.

Kurve auf Kurve.

Kehre auf Kehre.

Steile Berghänge.

Graue Felsen.

Und diese unglaubliche Weite.

Der Motor klingt bei dünner werdender Luft etwas anders, aber die Zweizylinder lassen sich davon nicht beeindrucken.

Sie bollern weiter.

Als hätten sie gerade erst angefangen.

🏔️ Oben angekommen – und keiner will wieder runter

Dann ist es soweit.

Die zehn Motorräder stehen auf fast 2.800 Metern.

Helme gehen auf.

Handschuhe werden ausgezogen.

Und plötzlich ist es erstaunlich still.

Vor uns liegt die Hochgebirgslandschaft.

Hinter uns die Straße, die wir gerade hochgefahren sind.

Und irgendwo zwischen Fotoapparat, Motorrad und Bergpanorama kommt vermutlich bei jedem derselbe Gedanke:

„Dafür hat sich das frühe Aufstehen gelohnt.“

Natürlich dauert es eine Weile, bis alle Fotos gemacht sind.

Man muss schließlich beweisen, dass man wirklich dort oben war.

Und nein:

Das Foto vom Motorrad zählt nicht.

Der Fahrer muss mit drauf.

Am besten so, dass man den Höhenmesser im Hintergrund sieht.

​​

​​​​​Jetzt wird es italienisch

Nach der Bonette geht es wieder hinunter.

Aber nicht einfach Richtung Ziel.

Das wäre ja viel zu einfach.

Stattdessen führt die Route weiter Richtung italienische Grenze und hinein in die Seealpen der Provinz Cuneo.

Und damit verändert sich auch die Stimmung.

Frankreich bleibt zurück.

Italien kommt näher.

Und die zehn Zweizylinder fühlen sich plötzlich ausgesprochen wohl.

Vielleicht liegt es am Asphalt.

Vielleicht an der Landschaft.

Vielleicht auch einfach daran, dass italienische Motorräder wissen, wann sie wieder zuhause sind. 😉

🇮🇹 Colle della Lombarda – die Grenze wird zur Nebensache

Der nächste große Höhepunkt ist der Colle della Lombarda, auf französischer Seite Col de la Lombarde.

Der Pass erreicht rund 2.351 Meter und verbindet die französische Tinée-Region mit dem italienischen Valle Stura.

Die Straße wird schmaler.

Die Landschaft wilder.

Und die Kurven bekommen diesen Charakter, den wir Motorradfahrer lieben:

Nicht unbedingt schnell – aber intensiv.

Man muss arbeiten.

Lenken.

Bremsen.

Einlenken.

Rausbeschleunigen.

Nächste Kurve.

Und wieder von vorne.

Die Straße hängt teilweise spektakulär am Berg.

Und während die Landschaft immer großartiger wird, wird die Gruppe immer ruhiger.

Nicht weil niemand mehr etwas zu sagen hätte.

Sondern weil man beim Fahren schlicht keine Zeit hat.

Da vorne ist schon wieder eine Kurve.

🇮🇹 Und dann eskaliert die Passsammlung

Jetzt könnte man theoretisch einfach weiter Richtung Susa fahren.

Theoretisch.

Praktisch passiert das Gegenteil.

Die Route führt weiter durch die italienischen Berge und nimmt gleich mehrere hochgelegene Übergänge mit.

Colle del Vallonetto – rund 2.447 Meter.

Colle Valcavera – rund 2.416 Meter.

Colle d'Esischie – rund 2.370 Meter.

Und anschließend:

Colle di Sampeyre – rund 2.284 Meter.

Diese Passpunkte lassen sich mit den GPS-Koordinaten der Tour sehr gut nachvollziehen.

Und irgendwann fragt man sich unweigerlich:

„Wer hat eigentlich diese Route geplant?“

Die Antwort darauf kennen wir natürlich nicht.

Aber wir wissen:

Er hatte offensichtlich eine persönliche Fehde mit Höhenlinien.

🌀 Colle di Sampeyre – Italien kann Kurven

Der Sampeyre ist einer dieser Pässe, bei denen die Straße nicht einfach von A nach B führt.

Sie scheint vielmehr zu überlegen, ob sie vielleicht doch lieber C, D oder E nehmen möchte.

Kehren.

Kurven.

Steigungen.

Abfahrten.

Und immer wieder diese unglaublichen Ausblicke über die italienischen Seealpen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Motorräder arbeiten sich weiter.

Die Fahrer ebenfalls.

Und spätestens jetzt dürfte jedem klar sein:

330 Kilometer waren vielleicht etwas optimistisch kalkuliert.

Der GPS-Track wird am Ende bei rund 345 Kilometern landen.

Aber die zusätzlichen 15 Kilometer sind nicht das Problem.

Das Problem sind die 15.000 Höhenmeter.

Und die Tatsache, dass unser Rücken davon noch nichts weiß. 

Wieder zurück nach Frankreich

Irgendwann wechseln wir wieder über die Grenze.

Italien bleibt hinter uns.

Frankreich ist wieder da.

Aber wer jetzt glaubt, dass damit das Kurvenprogramm langsam ausläuft, hat die Rechnung ohne den Col d'Izoard gemacht.

Denn natürlich musste der noch mit.

Warum auch nicht?

Wir hatten schließlich noch ein bisschen Kraft übrig.

Zumindest behaupteten wir das.
 

🏔️ Col d'Izoard – der große französische Schlussakkord

Der Col d'Izoard erreicht 2.361 Meter und gehört zu den großen Pässen der französischen Alpen. Seine Lage zwischen Briançon und dem Queyras macht ihn zu einem der bekanntesten Übergänge der Region.

Und die Strecke fühlt sich nach dem langen italienischen Abstecher fast schon wieder vertraut an.

Wieder französischer Asphalt.

Wieder alpine Landschaft.

Wieder Kehren.

Aber diesmal fährt jeder ein bisschen anders.

Die einen konzentriert.

Die anderen mit diesem ganz speziellen Gesichtsausdruck, den Motorradfahrer bekommen, wenn sie eigentlich längst müde sind, aber auf keinen Fall zugeben wollen, dass sie müde sind.

Denn:

Das Motorrad ist ja noch frisch.

Der Fahrer vielleicht nicht.

Aber das ist eine andere Sache. 😂

​​

🇫🇷➡️🇮🇹 Montgenèvre – noch einmal über die Grenze

Nach dem Izoard geht es weiter Richtung Briançon und anschließend zum Col de Montgenèvre.

Der Übergang liegt bei etwa 1.860 Metern direkt an der französisch-italienischen Grenze.

Und damit beginnt endgültig das letzte Kapitel dieses langen Tages.

Die Berge werden niedriger.

Die Straße wird wieder breiter.

Die Landschaft verändert sich.

Und irgendwann ist klar:

Susa ist nicht mehr weit.

🇮🇹 Susa – Feierabend nach 345 Kilometern

Dann taucht das Ziel auf.

Susa.

Nach einem Tag, der eigentlich „Jausiers nach Susa“ hieß und sich zwischendurch eher wie „Wir nehmen noch schnell halb Piemont mit“ angefühlt hat.

345 Kilometer.

Rund 15.000 aufgezeichnete Höhenmeter bergauf.

Frankreich.

Italien.

Mehrere Pässe jenseits der 2.000-Meter-Marke.

Und zehn Zweizylinder, die den ganzen Tag dafür gesorgt haben, dass die Bergwelt akustisch ebenfalls etwas von unserer Reise hatte.

Jetzt stehen die Motorräder da.

Staubig.

Warm.

Und wahrscheinlich ziemlich zufrieden.

Die Fahrer steigen ab.

Und plötzlich kommt dieser eine Moment:

Man schaut sich an.

Keiner sagt viel.

Ein Grinsen reicht.

Das war ein verdammt guter Motorradtag.

 

 

 

 

❤️ Eine Etappe, die eigentlich aus drei Touren bestand

Tag 5 war nicht einfach eine Verbindung von Jausiers nach Susa.

Es war ein kompletter Alpen-Querschnitt.

🏔️ Frankreich – Hochalpen

🇮🇹 Italien – Seealpen

🏔️ Frankreich – Izoard

🇮🇹 Italien – Susa

Und dazwischen:

Bonette. Lombarda. Vallonetto. Valcavera. Esischie. Sampeyre. Izoard. Montgenèvre.

Man könnte sagen:

Wir haben heute nicht die Pässe gefahren.

Die Pässe haben uns gefahren.

Und zwar ordentlich.

Was bleibt?

Die Bilder vom Gipfel.

Das Grollen der Zweizylinder in den Tälern.

Die kleinen italienischen Straßen.

Die riesigen französischen Berge.

Die Grenzübertritte, bei denen man irgendwann nicht mehr wusste, ob man gerade in Frankreich oder Italien ist.

Und dieses ganz besondere Gefühl, wenn nach fast 350 Kilometern irgendwann das Ortsschild von Susa auftaucht.

 

Dann weiß man:

Heute haben wir Motorradfahren nicht nur gemacht.

Heute haben wir es zelebriert. ❤️🏍️

🏆 DIE HIGHLIGHTS VON TAG 5

🥇 Cime de la Bonette – 2.802 m

Der spektakuläre Auftakt. 24 Kilometer Auffahrt ab Jausiers und mehr als 1.500 Höhenmeter bis in eine der beeindruckendsten Hochgebirgslandschaften Frankreichs.

🥈 Colle della Lombarda – ca. 2.351 m

Der Wechsel von Frankreich nach Italien und eine der schönsten Hochgebirgsstraßen der Tour.

🥉 Italienische Passkaskade

Vallonetto – Valcavera – Esischie – Sampeyre: mehrere Hochgebirgsübergänge hintereinander und damit einer der fahrerisch außergewöhnlichsten Abschnitte der gesamten Reise.

🏔️ Col d'Izoard – 2.361 m

Noch einmal französische Hochalpen vom Feinsten, bevor es Richtung Italien weitergeht.

🇫🇷🇮🇹 Col de Montgenèvre

Der letzte große Höhenübergang des Tages – direkt an der Grenze zwischen Frankreich und Italien auf rund 1.860 Metern.

20260911_090519.jpg
20260911_090043.jpg
20260911_143031.jpg
20260911_122356.jpg
20260911_143049.jpg
20260911_153848.jpg
20260911_163738.jpg
20260911_163757.jpg
20260911_185935.jpg
20260911_195623.jpg

Tag 6
🏍️ TAG 6 – Drei Länder, vier große Pässe und 383 Kilometer Wahnsinn

🇮🇹🇫🇷🇨🇭 Susa → Mörel

Drei Länder.

Mehrere Pässe.

Über 14.000 aufgezeichnete Höhenmeter bergauf.

Und als wäre das noch nicht genug, liegt der höchste Punkt des Tages bei fast 2.763 Metern.

Also genau das richtige Programm für zehn Motorradfahrer, die bekanntlich unter einer besonders ausgeprägten Form von Vernunftresistenz leiden. 😎

🇮🇹 Susa – und erstmal wieder nach oben

Susa liegt auf ungefähr 500 Metern.

Das ist schön.

Denn dadurch hat man morgens noch jede Menge Höhenmeter vor sich.

Die zehn Zweizylinder setzen sich in Bewegung und verlassen Susa Richtung Mont Cenis.

Schon nach wenigen Kilometern beginnt die Straße zu steigen.

Erst gemächlich.

Dann immer deutlicher.

Die Häuser werden weniger, die Landschaft alpiner und die Straße beginnt sich in den Berghang zu legen.

Kurve.

Kehre.

Kurve.

Und wieder Kehre.

Die Motoren arbeiten sich nach oben.

Und zehn Zweizylinder in einem solchen Tal entwickeln ihre ganz eigene Akustik.

Ein tiefes Grollen begleitet die Auffahrt.

Manchmal klingt es fast so, als würde der Berg selbst versuchen, mitzuhalten.

🏔️ Col du Mont Cenis – der erste große Aufstieg

Der Col du Mont Cenis liegt auf rund 2.081 Metern und verbindet Susa mit dem französischen Maurienne-Tal. Die Auffahrt von Susa gehört mit rund 38 Kilometern und fast 1.700 Höhenmetern bereits zu den richtig großen Passauffahrten.

Und oben wartet der Lac du Mont Cenis.

 

 

 

 

 

Ein tiefblauer See, umgeben von einer gewaltigen Bergkulisse.

Eigentlich ein Ort, an dem man einfach stehen bleiben könnte.

Eigentlich.

Aber wir haben heute noch ein kleines Problem:

Wir müssen weiter.

Denn auf der anderen Seite wartet Frankreich.

Und dahinter wartet der nächste Pass.

Und der ist nicht irgendeiner.

🇫🇷 Col de l’Iseran – jetzt wird es hoch

Nach der Abfahrt vom Mont Cenis geht es Richtung Val-d’Isère.

Die Straße führt wieder nach oben.

Und diesmal richtig.

Der Col de l’Iseran.

2.764 Meter.

Der höchste asphaltierte Alpenpass.

Schon die Auffahrt verändert das Gefühl auf dem Motorrad.

Die Vegetation wird weniger.

Die Berge werden größer.

Die Straße zieht sich durch eine immer kargere Hochgebirgslandschaft.

Und irgendwann steht man in einer Welt aus Fels, Schnee- und Geröllfeldern.

Die zehn Motorräder arbeiten sich Kehre für Kehre nach oben.

Der Motor klingt etwas angestrengter.

Der Fahrer ebenfalls.

Aber keiner würde das zugeben.

Denn schließlich gilt:

Wenn das Motorrad noch läuft, ist alles gut.

🏔️ 2.762,8 Meter – ganz oben

Der GPS-Track zeichnet hier seinen höchsten Punkt auf:

2.762,8 Meter.

Damit liegt der aufgezeichnete Punkt praktisch genau auf der offiziellen Passhöhe von 2.764 Metern.

Und plötzlich ist da wieder dieser Moment.

Motor aus.

Helm ab.

Stille.

Vor uns die französischen Alpen.

Hinter uns eine Straße, die gerade noch wie eine endlose Serpentine unter uns lag.

Hier oben merkt man wieder, warum man sich diese ganzen Kilometer überhaupt antut.

Nicht wegen der Durchschnittsgeschwindigkeit.

Nicht wegen der Kilometerleistung.

Und ganz bestimmt nicht wegen der Sitzbank.

Sondern wegen genau dieses Augenblicks.

Oben stehen.

Und wissen:

Da sind wir gerade hochgefahren.

 

 

 

🇫🇷➡️🇮🇹 Col du Petit Saint-Bernard

Die lange Abfahrt führt anschließend Richtung Bourg-Saint-Maurice und weiter zum Col du Petit Saint-Bernard.

Der Pass liegt auf 2.188 Metern und bildet die historische Verbindung zwischen Tarentaise und Aostatal. Das Hochplateau liegt direkt an der Grenze zwischen Frankreich und Italien.

Nach der spektakulären Hochgebirgswelt des Iseran wirkt die Straße fast schon wieder freundlich.

Aber nur fast.

Denn die Kehren bleiben.

Und natürlich werden sie gefahren.

Was sonst?

Die zehn Zweizylinder ziehen sich wieder auseinander.

Der eine fährt etwas schneller.

Der andere etwas gemütlicher.

Der Dritte hat angeblich nur „eine andere Linie“.

Und irgendwann wartet man wieder aufeinander.

Wie immer.

Der Letzte ist natürlich nicht verloren.

Er fährt lediglich eine besonders individuelle strategische Route.

Das ist ein großer Unterschied.

🇮🇹 Wieder Italien – und noch lange kein Feierabend

 

Mit der Passhöhe des Petit Saint-Bernard wechseln wir wieder nach Italien.

 

Das Aostatal empfängt uns.

Und eigentlich könnte man jetzt bequem Richtung Aosta rollen.

Eigentlich.

Aber unsere Route hat offenbar noch ein paar Rechnungen offen.

 

Statt direkt ins Tal zu fallen, führt sie über den Colle San Carlo.

Rund 1.950 Meter.

Noch ein Pass.

Noch einmal hoch.

Noch einmal runter.

Noch einmal Kurven.

An diesem Punkt stellt sich niemand mehr die Frage:

„Warum machen wir das eigentlich?“

Wir wissen es.

Weil wir es können.

Und weil eine gerade Straße zwar praktisch ist, aber für zehn Motorradfahrer ungefähr so interessant wie eine Bedienungsanleitung für einen Toaster.

🏔️ Aosta – kurz durchs Tal und wieder hoch

Aosta.

Ein kurzer Blick auf das Tal.

Vielleicht ein Tankstopp.

Vielleicht Kaffee.

Vielleicht etwas zu essen.

Denn nach mehreren Pässen beginnt der menschliche Körper irgendwann eigene Navigationsdaten zu senden.

Ziel: Nahrung.

Aber lange bleiben wir nicht.

Denn der nächste Berg wartet bereits.

Und dieser trägt einen Namen, bei dem jeder Motorradfahrer sofort aufmerksam wird:

Großer St. Bernhard.

🏔️ Grosser St. Bernhard – der letzte große Brocken

Von Aosta geht es wieder nach oben.

Immer höher.

Die Straße folgt dem Tal, zieht sich durch die Bergwelt und wird zunehmend alpiner.

Der Grosse St. Bernhard erreicht 2.469 Meter und verbindet seit der Römerzeit das Aostatal mit dem Wallis. Auf der Passhöhe steht das fast 1.000 Jahre alte Hospiz.

Und hier wartet gleich noch ein Länderwechsel:

🇮🇹 Italien → 🇨🇭 Schweiz.

Die Passhöhe ist beeindruckend.

Der kleine See.

Die Berge.

Das Hospiz.

Und natürlich die berühmten Bernhardinerhunde.

Historisch ist dieser Pass eine der wichtigsten Alpenverbindungen überhaupt. Heute interessiert uns allerdings vor allem eines:

Die Straße.

Und die ist für Motorradfahrer ein würdiger Abschluss des alpinen Teils.

🇨🇭 Willkommen im Wallis

Dann geht es hinunter in die Schweiz.

Und mit der Abfahrt verändert sich die Landschaft erneut.

Die ganz hohe Bergwelt bleibt zurück.

Die Straße wird flüssiger.

Das Tal öffnet sich.

Und nach den vielen Pässen fühlt sich die Abfahrt beinahe wie eine kleine Erholung an.

Beinahe.

Denn 383 Kilometer sind noch nicht gefahren.

Und das Ziel liegt noch ein gutes Stück entfernt.

🏞️ Durch das Wallis Richtung Mörel

Die Route führt weiter durch das Wallis.

Die Landschaft wird grüner.

Die großen Felswände weichen wieder bewaldeten Hängen und offenen Talabschnitten.

Und irgendwann ist endgültig klar:

Wir sind auf der Zielgeraden.

Aber auch die letzten Kilometer haben ihren eigenen Reiz.

Nach einem solchen Tag verändert sich nämlich die Wahrnehmung.

Eine normale Kurve?

Schön.

Ein kleines Bergdorf?

Schön.

Ein Stück gerader Asphalt?

Oh – eine Gerade!

Man freut sich plötzlich über Dinge, die morgens niemand wahrgenommen hätte.

🏁 Mörel – nach 383 Kilometern

Dann ist es geschafft.

Mörel.

Hotel Alesch.

Motor aus.

Helm ab.

Und jetzt kommt der Moment, in dem zehn Fahrer versuchen, gleichzeitig so auszusehen, als hätten sie überhaupt keine Probleme mit den vergangenen 383 Kilometern.

Natürlich ist niemand müde.

Natürlich war alles entspannt.

Natürlich hätte man noch 100 Kilometer fahren können.

Und natürlich hat niemand während der letzten 30 Kilometer auf die Uhr geschaut.

Keiner.

Wirklich keiner.

😂

❤️ TAG 6 – eine Etappe, die bleibt

Was diesen Tag so besonders macht, ist nicht nur die Länge.

Es ist die unglaubliche Abfolge der Landschaften.

Morgens:

🇮🇹 Piemont

Dann:

🏔️ Mont Cenis

Weiter:

🇫🇷 Haute-Maurienne

Hoch hinauf:

🏔️ Col de l’Iseran

Dann:

🇫🇷🇮🇹 Petit Saint-Bernard

Weiter durch:

🇮🇹 Aostatal

Noch einmal hoch:

🏔️ Grosser St. Bernhard

Und schließlich:

🇨🇭 Wallis

Das ist kein einfacher Transfertag.

Das ist eine Alpenquerung mit Ansage.

Drei Länder.

Mehrere große Pässe.

Fast 400 Kilometer.

Über 14.000 aufgezeichnete Höhenmeter bergauf.

Und zehn Zweizylinder, die sich durch diese Landschaft gearbeitet haben.

🏆 DIE HIGHLIGHTS VON TAG 6

🥇 Col de l’Iseran – 2.764 m

Der absolute Höhepunkt des Tages und der höchste asphaltierte Pass der Alpen.

🥈 Grosser St. Bernhard – 2.469 m

Historischer Alpenübergang zwischen Italien und der Schweiz mit Hospiz und spektakulärer Hochgebirgslandschaft.

🥉 Col du Mont Cenis – ca. 2.081 m

Der gewaltige Auftakt direkt ab Susa – inklusive Lac du Mont Cenis.

⛰️ Col du Petit Saint-Bernard – 2.188 m

Grenzpass zwischen Frankreich und Italien und wunderschönes Hochplateau zwischen Tarentaise und Aostatal.

🌀 Colle San Carlo – ca. 1.950 m

Der kleine, aber feine zusätzliche Höhengewinn auf dem Weg durch das Aostatal.

📊 TOUR-FAKTEN – TAG 6

🏍️ Tour: Susa → Mörel
📍 Start: Susa, Italien
📍 Ziel: Mörel-Filet, Schweiz
🌍 Länder: 🇮🇹 Italien · 🇫🇷 Frankreich · 🇨🇭 Schweiz
📏 Distanz laut GPX: ca. 383 km
⛰️ Aufgezeichnete positive Höhenmeter: ca. 14.131 hm
⬇️ Tiefster aufgezeichneter Punkt: ca. 455 m
🏔️ Höchster GPS-Punkt: 2.762,8 m
🛣️ Pässe: Mont Cenis · Iseran · Petit Saint-Bernard · Colle San Carlo · Grosser St. Bernhard
🌀 Kurvenfaktor: 10/10 – die Straße hatte heute offensichtlich etwas gegen Geraden
🇮🇹 V2-Faktor: akustisch eindeutig nachweisbar
👥 Teilnehmer: 10 Motorradfahrer
❤️ Spaßfaktor: „Nur noch bis Mörel“ – nach 383 km trotzdem ein breites Grinsen

🏍️ Die Tagesbilanz

383 Kilometer.

3 Länder.

5 große Passübergänge.

2.763 Meter höchster Punkt.

14.131 Höhenmeter bergauf laut GPS.

Und zehn Zweizylinder, die den Tag nicht nur gefahren, sondern vermutlich auch noch ein gutes Stück weit angekündigt haben.

Am Ende bleibt nur eine Erkenntnis:

Man muss nicht verrückt sein, um so eine Tour zu fahren.

Aber es hilft. 😎❤️🏍️

#Motorradtour #Motorradreisen #MotoGuzzi #V2 #ItalianBikes #Susa #MontCenis #ColDIseran #PetitSaintBernard #GrandSaintBernard #Aosta #Wallis #Moerel #Alpen #BikerLife #KurvenJunkies

20260912_091511.jpg
20260912_091606.jpg
20260912_101637.jpg
20260912_112424.jpg
20260911_174923.jpg
20260912_150004.jpg

Tag 7 - Heimreise

Und der Moment kommt Heimreise durch die Schweizer Alpen – 500 Kilometer voller Kurven und Eindrücke

Morgens starteten wir um 8:30 Uhr in Mörel im Wallis zu unserer gemeinsamen Rückfahrt. Vor uns lagen rund 500 Kilometer, zahlreiche Kurven, beeindruckende Alpenlandschaften und einige ganz besondere Stationen.

Der erste Pass: Furkapass und das Belvedere Hotel

Unser erster Pass ab Mörel war der "James Bond Pass" (Furkapass). Schon die Strecke dorthin versprach echtes Alpenfeeling und führte uns durch eine beeindruckende Bergkulisse.

Ein besonderer Zwischenstopp war das alte Belvedere Hotel. Dieser historische Ort liegt an einer Strecke, die nicht nur unter Motorradfahrern bekannt ist, sondern auch schon James Bond 1962 unter die Räder genommen hat. Allein dieser Gedanke verleiht der Strecke noch einmal einen ganz besonderen Charme.

Der Halt am Belvedere war deshalb nicht einfach nur eine kurze Pause, sondern ein schöner Moment, um die Umgebung auf sich wirken zu lassen und ein Stück Geschichte dieser legendären Schweizer Bergstraßen zu erleben. Schade dass dieses imposante Gebäude aufgrund von Erbstreitigkeiten nur noch vor sich hingammelt.

Planänderung: Der Klausenpass ist gesperrt

Nach unserem Aufenthalt wollten wir weiter über den Klausenpass fahren. Doch leider kam es anders als geplant: Der Klausenpass war heute aufgrund einer Radsportveranstaltung für den motorisierten Verkehr gesperrt.

Da half alles nichts – die geplante Route musste geändert werden. Aber genau solche spontanen Planänderungen gehören zu einer Motorradtour schließlich dazu.

Wir entschieden uns deshalb für eine attraktive Alternative und nahmen Kurs auf den Oberalppass.

Über den Oberalppass zum Ursprung des Rheins

Die Ausweichroute über den Oberalppass erwies sich schnell als hervorragende Entscheidung. Die kurvenreiche Passstraße, die gewaltige Bergkulisse und die abwechslungsreiche Landschaft machten auch diese Strecke zu einem echten Höhepunkt des Tages.

Ein weiteres Highlight war der Besuch am Ursprung des Rheins. Dort, inmitten der Schweizer Bergwelt, konnten wir einen besonderen Punkt unserer Tour erleben. Es ist schon beeindruckend, an einem Ort zu stehen, an dem die Reise eines Flusses beginnt, der später durch mehrere Länder fließt und schließlich in die Nordsee mündet.

Nach diesem Zwischenstopp ging es weiter Richtung Chur.

Von Chur Richtung Deutschland

In Chur angekommen, änderte sich der Charakter unserer Tour. Die spektakulären Passstraßen lagen nun hinter uns und wir machten uns auf den Weg Richtung Heimat.

Wir nahmen die Autobahn Richtung Deutschland und konnten so die letzten Kilometer unserer langen Tagestour etwas zügiger zurücklegen.

Nach den vielen Kurven und Höhenmetern der Schweizer Alpen war die Autobahn natürlich ein deutlicher Kontrast. Aber nach einem solchen Fahrtag war es auch angenehm, die Heimreise Kilometer für Kilometer voranzubringen.

500 Kilometer später – alle wieder zu Hause

Am Ende standen rund 500 Kilometer auf dem Tacho. Ein langer Tag im Sattel, aber einer, der uns mit vielen besonderen Eindrücken belohnt hat.

Der Klausenpass selbst blieb uns an diesem Tag zwar aufgrund der Radsportveranstaltung verwehrt, trotzdem begann unsere Tour mit diesem Pass und dem besonderen Halt am Belvedere Hotel. Und mit dem Oberalppass fanden wir eine mehr als würdige Alternative.

Von den historischen Spuren der Strecke am Belvedere über die beeindruckende alpine Landschaft des Oberalppasses bis hin zum Ursprung des Rheins und schließlich über Chur Richtung Deutschland – die Tour hatte alles, was eine gute Motorradtour ausmacht.

Und das Wichtigste zum Schluss: Nach insgesamt etwa 500 Kilometern kamen alle wieder wohlbehalten zu Hause an.

Unser Tour-Fazit

Start: 8:30 Uhr in Mörel, Schweiz

Erster geplanter Pass: Klausenpass

Besonderer Halt: Altes Belvedere Hotel

Highlight: Historische Strecke mit James-Bond-Bezug

Planänderung: Klausenpass wegen einer Radsportveranstaltung gesperrt

Alternative: Oberalppass

Besonderer Punkt: Ursprung des Rheins

Weiterfahrt: Chur

Heimreise: Autobahn Richtung Deutschland

Gesamtstrecke: ca. 500 Kilometer

Ende: Alle sicher und zufrieden zu Hause

20260913_092834.jpg
20260913_092847.jpg
20260913_101552.jpg
20260913_101601.jpg

Zusammenfassung der gefahrenen Pässe

zum Thema Langstreckentauglichkeit Moto Guzzi

bottom of page